G'day,
Unser Abstecher an das noerdliche Ende von Australien, genauer in den Kakadu National Park, liegt zwar schon eine Zeit zurueck doch die tollen Erinnerungen sind immer noch lebhaft genug, um einen separaten Blog zu fuellen:
Die Fotos zum Kakadu National Park findet ihr HIER.
Der Kakadu National Park bedeckt ca. eine Flaeche halb so gross wie die Schweiz und grenzt im Osten an ein noch groesseres Aboriginie Reservat. Auf dem Weg in den Park haben wir einen Zwischenhalt bei der "Jumping Crocodile Tour" gemacht. Die Gewaesser im Norden von Australien sind beruechtigt fuer die vielen Krokodile und einige unvorsichtige Touristen sind bereits Krok-Futter geworden. Im Kakadu National Park gibt es kleinere (ca. 2-3m) Suesswasserkrokodile und riesige (ca. 4-6m) Salzwasserkrokodile (welche aber am liebstem im Suesswasser wohnen...). In einer kleinen Nussschale sind wir auf den Mary River hinausgefahren und haben bereits nach wenigen Minuten unser erstes "Salty" entdeckt. Der Guide unseres Boots hat ein Stueck Fleisch an einer Rute befestigt und damit das Krokodil dazu gebracht, wie eine Kerze aus dem Wasser zu springen. Ein absolut eindruecklicher Anblick, besonders wenn man unten in einer Nussschale sitzt und hofft, dass das Krokodil nicht auf dem Boot landet...
Der Kakadu National Park ist aber nicht bloss wegen den Krokodilen beruehmt, sondern insbesondere wegen den Aboriginie Felsmalereien und den Wetplains, riesige Flaechen welche in der Regenzeit ueberflutet werden. Die Felsmalereien waren dann auch wirklich beeindruckend und halfen uns, nach einem Jahr in Australien endlich die Aboriginie Kultur (etwas) zu verstehen. Im Gegensatz zu unserer Kultur haben die Aboriginie nie den Schritt zur Agrikultur gemacht sondern sind Jaeger und Sammler geblieben. Deshalb leben sie auch viel mehr im hier und jetzt als wir. Ihre Malereien dienen zu Bildungszwecken und erklaeren welche Tiere man wie jagt und welche Teile geniessbar sind.
Ausserdem haben die Aboriginie ein ausgekluegeltes Familiensystem: Es gibt zwei Nachnamen und acht Vornamen (je vier fuer Frauen und vier fuer Maenner). Dadurch haben zwar viele Leute den selben Namen, aber dies definiert auch die familiaeren Verhaeltnisse. So sind zum Beispiel alle Frauen mit demselben Namen wie die leibliche Mutter die familiaere Mutter und muessen fuer einen sorgen. Und nach der vierten Generation fangen die Namen wieder vorne an, so dass die Urgrossmutter die Tochter ihres Urgrosskindes ist und dieses somit fuer die Urgrossmutter sorgen muss. Dies macht um so mehr Sinn wenn man bedenkt, dass die Aboriginie frueher viel aelter geworden sind als wir (u.a. weil sie zur Heirat mind. vier Verwandtschaftsstufen entfernt sein muessen) und frueh Kinder hatten.
Eine Nacht haben wir in einem kleinen "Roadhouse" verbracht wo all die Lastwagenfahrer (Truckies) uebernachten. Die Unterkunft bestand dabei aus einem einigermassen isolierten Hochseecontainer welcher in 5 Abschnitte ("Zimmer") unterteilt worden ist. Beim Abendbier vor dem Container sind wir mit zwei Truckies ueber die 'guten alten Zeiten' ins Gespraech gekommen. Dabei haben wir erfahren, dass bis vor ein paar Jahren Truckies in Australien Distanzen nicht in km angegeben hatten, sondern in Sixpacks (ein 6er Pack Bier). 100km entsprachen in etwa einem Sixpack. Die Trinkerei unter den Lastwagenfahrer sei anscheinen so gross gewesen, dass die leeren Bierflaschen am Strassenrand die Regierung vom Staat South Australia dazu veranlasst hatte, alle zig Kilometer Fussballtore aufzustellen in welche die Truckies waehrend voller Fahrt die leeren Bierflaschen werfen konnten.... Ob das wirklich stimmt konnten wir (zum Glueck) nicht verifizieren. Vielleicht sollte man noch erwaehnen, dass es in Australien sog. Road Trains gibt: Lastwagen mit bis zu vier Anhaengern (vgl. Foto) und ueber 100 Tonnen Gewicht.
Das Highlight unserer Kakadu National Park Ferien war jedoch eine Aboriginie Tour. Zwei Aboriginie Frauen und ein Australischer Fahrer fuehrten uns tief ins Outback. Das Konzept der Tour bestand darin, dass wir uns unser Nachtessen im Busch zusammensammeln und dann gemeinsam am Lagerfeuer verspiesen. Zum ersten "Gang" gab es Seerosenstengel und Seerosenwurzel aus dem lokalen Tuempel (Bilabong). In einem ausgetrockneten Flussbett suchten wir anschliessend nach Muscheln. Als naechster Gang gab es kartoffelmaessige Wurzeln eines vertrockneten Grasses sowie gruene Ameisen. Die Ameisen waren ziemlich lecker. Sie schmeckten nach Zitronen und sollen angeblich gut gegen Kopfschmerzen sein. Weiter ging es in einen trockenen Sumpf wo wir in muehsamster Arbeit Wasserkastanien (die Wurzeln des lokalen Grases) aus dem Boden ausgruben. Eine Wasserkastanie hat etwa die Groesse einer Erbse und kann gekocht gegessen werden. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir an ein grosses Wetplain auf welchem tausende Gaense im Wasser nach Wasserkastanien suchten. Die Aboriginies hatten am Morgen zuvor zwei der Gaense geschossen und einen grossen Baramundi Fisch gefangen. Nachdem wir die Gaense gerupft hatten, wurden sie ausgenommen. Das frustrierende dabei war, dass die zwei Gaense in ihrem Hals mehr Wasserkastanien hatten, als wir in muehsamer Arbeit gesammelt hatten....
Das ganze Essen legten wurde dann auf heisse Steine in eine Grube gelegt, mit Baumrinde abgedeckt und dann mit Erde zugeschuettet. Zudem gab es noch Buschbrot: Man werfe ein Mocken Teig in die Glut, bedecke alles mit Asche und warte 30 Minuten. Anschliessend etwa 'putzen' und fertig ist das Buschbrot. Das ganze Essen war sagenhaft lecker und ein Erlebnis der Sonderklasse. Auf der Rueckfahrt vom Nachtessen haben wir noch ein paar ziemlich grosse Schlangen angetroffen welche gluecklicherweise mehr Angst von uns hatten als wir von ihnen. A propos Schlangen sei noch zu erwaehnen, dass Jacqueline am Tag zuvor Saemi waehrend einer Wanderung heldenhaft von einer Schlange 'gerettet' hatte, welche ploetzlich ueber den Weg kroch. Jetzt sind wir quitt (vgl. Blog zu Canberra).
Am naechsten Tag fuhren wir zurueck nach Darwin wo wir uns von Australien verabschieden mussten. Die Freude auf Bali war zum Glueck Trost genug.
Im naechsten Blog berichten wir ueber unsere Zeit auf Bali.
Viele liebe Gruesse
Jacqueline und Samuel
Samstag, 14. August 2010
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