Nach unserem letzten Blog-Eintrag standen bei uns die Abschlussprüfungen für die Uni an. Dies war eine etwas stressige Zeit, aber wir haben es überstanden. Sämi hat bereits drei von vier Noten erhalten und die sind ziemlich gut (1x Höchstnote und 2x die zweithöchste Note).
Dann fingen endlich unsere Semesterferien an! Mit vollgepacktem Auto haben wir uns auf den Weg in die Blue Mountains gemacht (ca. 1.5 Stunden von Sydney). Dies ist ein rund 1100 m.ü.M. hoher „Berg“ im Landesinnern. Ihren Namen haben die Blue Mountains von der blauen Dunstwolke welche sie stets umgibt. Diese entsteht aus den ätherischen Oelen der Eukalyptuswälder. Im Gegensatz zu unseren Bergen sind die Blue Montains aber eher ein Hochplateau mit einem grossen Loch, ähnlich wie der Grand Canyon in den USA, nur etwas kleiner und vollkommen überwachsen mit Eukalyptusbäumen. In den Blue Mountains sind wir bei rund 40 Grad Wandern gegangen und haben fast non-stop an der Wasserflasche gehangen. Hier findet ihr einige Fotos von den Blue Mountains.
Von den Blue Mountains fuhren wir gleichentags weiter nach Mudgee, eine kleine Weinbauregion hinter den Blue Mountains (ca. 3.5 Stunden von Sydney). Dort haben wir uns eingehend mit der einheimischen Winzerskunst beschäftigt. Eigentlich hatten wir unsere Fahrräder mitgebracht, da man am (Auto-)Steuer ja nichts trinken sollte. Doch bei 43 Grad im Schatten (und es hat dort fast kein Schatten) ist uns die Freude am Velofahren rasch vergangen. So haben wir uns dann halt beim Degustieren und Autofahren abgewechselt. Übernachtet haben wir auf einem Campingplatz. Zum Glück hatte unsere Camping-Hütte eine Klimaanlage. Der Wein aus der Region Mudgee ist sehr interessant, denn im Winter wird es dort bis 0 Grad und im Sommer über 40 Grad. In Mudgee werden nicht nur Shiraz Trauben, sondern beispielsweise auch Chianti, Durif, Cabernet, Chiraz und Rioja Trauben angepflanzt.
Normalerweise hat Mudgee ausreichend Regen. Aber als wir dort waren war alles was nicht Bewässert wurde staubtrocken. Die Buschfeuerwarnung wurde erstmals auf „extreme“ eingestuft. Das bedeutet, dass ein Buschfeuer nicht kontrolliert werden könnte.
Von der Weinregion Mudgee sind wir 6 Stunden weiter Richtung Norden nach Bingara gefahren. Es war immer noch über 40 Grad heiss. Auf halbem Weg hat das Gebläse unserer Autolüftung vor der holprigen Strasse kapituliert. Die Klimaanlage funktionierte zwar noch, doch die kühle Luft wurde nicht ins innere des Autos geblasen. Immerhin haben wir nach ein paar schwitzigen Minuten rausgefunden, dass der Fahrtwind ein wenig kühle Luft durchs Gebläse drückt, wenn man schneller als 100 km/h fährt. So sind wir dann ziemlich zügig gegen Norden gefahren. Glücklicherweise hat sich uns kein Kängeroo in den Weg gestellt. Diese Hüpfer sind hier eine echte Gefahr auf den Landstrassen. Die meisten Autos haben deshalb auch extra Stosstangen welche aussehen wie von einem Panzer.
In Bingara, ein 1300 Seelen Dorf im Nirgendwo, trafen wir unsere Cowboy Kollegen, welche mit uns eine Woche auf der Farm gearbeitet haben. Doch zuerst ging es zur Heilsarmee, wo wir uns mit Arbeitskleidern eindeckten und dann in den „Bottle Store“ wo wir flüssigen Proviant besorgten (bei über 40 Grad hat man grossen Durst). Ein Bus brachte uns anschliessend zur Farm, welche etwa 40 Minuten ausserhalb von Bingara liegt. Die Farm gehört John, der unser Chef für die Woche war. Die Farm ist etwas grösser als die Gemeinde Zug und beherbergt 220 Pferde, 110 Fohlen, Schafe und Kühe. Das riesige Gelände umfasst Buschland, ziemlich trockene Weiden, ein paar Wasserlöcher und eine staubige Strasse. Insgesamt gibt es nur etwa fünf Gehege, so dass die Tiere unglaublich viel Platz haben. Abgesehen von ca. 40 Arbeitspferden leben alle anderen Tiere wild irgendwo auf dem Farmland. Hier findet ihr einige Fotos von der Farm.
Unser Arbeitstag begann etwa um 7 Uhr. Mit einer „Ute“ (Australisch für „Utility Vehicle“, ein Auto mit Führerkabine und Ladefläche) fuhren wir hinaus zu den Arbeitspferden. Da deren Weide aber rund zwei Quadratkilometer gross war, mussten wir sie immer zuerst suchen gehen. Meistens konnten wir drei bis vier Pferde anlocken, halftern und satteln. Mit diesen Pferden trieben wir die restlichen Arbeitspferde in ein Gehege auf der Farm wo wir sie für den Arbeitstag auswählten. Diejenigen welche wir nicht brauchten, liessen wir wieder gehen (um sie an nächsten Morgen wieder einzusammeln). Wegen der starken Sonne waren wir trotz Temperaturen von über 40 Grad immer mit Schuhen, Jeans und Langarmhemd bekleidet. Da die Luftfeuchtigkeit aber nur etwa 10% betrug verdampfte der Schweiss sofort und man fühlte sich besser mit langen Kleidern.
Die täglichen Arbeiten wurden meistens hoch zu Pferd erledigt. Im Busch trieben wir einige wilde Pferde zur Farm, um sie anschliessend zu trainieren. An einem anderen Tag trieben wir eine ganze Kuhherde auf die Farm. Dort haben wir sie dann nach Alter sortiert (was den Mutterkühen nicht sehr gefallen hat) und teilweise kastriert (was Sämi aus Mitgefühl nicht gefallen hat). Zweimal gingen wir sogar mit den Pferden im Fluss schwimmen. Dabei sitzt man mit den Badekleidern aufs Pferd (ohne Sattel) und watet ins Wasser. Wenn es tief genug ist, schwimmt das Pferd (mit dem Reiter) und man muss versuchen irgendwie sitzen zu bleiben. Jacqueline ist früher viel geritten und war entsprechend versiert. Sämi hingegen hat bisher erst ein paar zahme Touristen-Ausritte gemeistert und war entsprechend gefordert. Aber er hat sich wacker geschlagen (auch wenn er teilweise eine Oktave höher gesprochen hat) und konnte am Schluss sogar richtig galoppieren.
Natürlich arbeiteten wir auch mit Schafen. Einmal sind wir zum nächsten Nachbar gefahren, welcher (nur) 15 Autominuten von der Farm wohnt. Die Fahrt dahin ging über Stock und Stein und wir hatten alle Mühe uns hinten auf der Ladefläche der Ute festzuhalten. Der Nachbar hatte rund 700 Schafe eingetrieben die wir gegen Würmer impfen mussten. Dazu mussten man jedes Schaf am Kopf packen und eine Flüssigkeit in den Mund spritzen. Offenbar war die Impfung nicht sehr lecker, denn die Schafe haben sich mit aller Kraft gewehrt. Interessanterweise haben sie sich viel weniger gewehrt, als ihnen der Nachbar-Farmer die Schwänze und die Hoden abgeschnitten hat. Die Schafe in Australien kriegen so grosse Wollmäntel, dass deren Kot nicht mehr unter dem Schwanz rauskommt. In diese Pampe legen Fliegen dann Eier welche für das Schaf über kurz oder lang das Ende bedeutet. Deshalb werden den Schafen die Schwänze abgeschnitten. Jacqueline hat sich als grosse Schaf-Kämpferin entpuppt und etwa 200 Schafe geimpft. Das Gesäbel haben wir aber dem Nachbarn überlassen. Zwei Tage später waren wir noch Schafe scheren, was ebenfalls eine sehr anstrengende Arbeit ist. Die Wolle ist etwa 10 cm dick. Beim Scheren muss man aber extrem aufpassen, dass man nur die Wolle und nicht auch Teile des Schafs abschneidet. Deshalb kamen wir Novizen erst zum Einsatz, wenn John den Grossteil der Wolle bereits gescheert hatte.
Ausserdem haben wir noch gelernt mit dem Lasso und der Geisel umzugehen. Jacqueline war besonders talentiert mit der Geisel, was Sämi etwas Sorgen im Hinblick auf unser Zusammenleben macht. Einmal versuchten wir, fürs Essen Kängeroo zu jagen, doch leider waren diese zu flink. So gab es dann halt Poulet.
Am Abend galt es den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen und meistens ging es früh ins Bett. Wir wohnten in einer kleinen uralten aber liebevoll renovierten Hütte mit 4er Zimmern und Kajütenbetten (ohne Klimaanlage….).
Mit etwas schwerem Herz mussten wir uns nach einer Woche wieder von den Pferden trennen. Leider konnte der Mechaniker in Bingara in der Zwischenzeit das Gebläse in unserem Auto nicht reparieren, so dass wir wie in einem Brutkasten Richtung Sydney fuhren. Zwecks Abkühlung (und Ausgleichung des Wasserhaushalts) haben wir eine Übernachtung in Tamworth, der Country Musik Hauptstadt von Australien eingelegt. Der lokale Automech konnte unser Gebläse leider ebenfalls nicht reparieren und hat sogar gemeint, dass eine Reparatur etwa $1000 kosten würde. Zur Aufmunterung haben wir dann eine Doppel-CD mit Country Musik gekauft uns sind mit guter Stimmung (und zügigem Tempo wegen der Lüftung) nach Syndey gefahren. In Sydney angekommen hat Sämi per Internet eine kleine Umfrage bei den lokalen Garagisten gestartet und schlussendlich einen gefunden, welcher inzwischen unser Auto für $420 repariert hat. Fantastic!
Am nächsten Tag ist Sämis Schwester, Fränzi, in Sydney angekommen. Mit ihr haben wir endlich die Touristenattraktionen besucht, für welche wir während dem Semester nie Zeit hatten.
Ausserdem waren wir zwei Tage in einem Surf Camp zwei Stunden südlich von Sydney. Obschon wir ziemlich eingeschüchtert waren von all den Hai-Filmen haben wir uns todesmutig in die Brandung gestürzt. Nach zwei Stunden konnten wir sogar auf dem Surfbrett stehen. Das Ganze war aber so anstrengend, dass wir nach jeder Doppelstunde gleich eine Siesta einlegten. Vielleicht lag das auch daran, dass wir während dem Surfen den halben Pazifik geschluckt hatten und dies verdauen mussten. Haie haben wir übrigens keine gesehen und wir bezweifeln, dass Haie bei solcher Brandung überhaupt navigieren könnten. Der Ort wo wir surften heisst Seven-Mile-Beach und liegt absolut idyllisch an einem Naturschutzgebiet mit vielen Pelikanen. Hier findet ihr einige Fotos vom Surf Camp. [Die meisten Fotos (die Schönen) sind Marketing-Fotos vom Surf Camp und nicht von uns.]
Fränzi hat grosszügigerweise Schweizer Fondue und Schnaps (Zuger Träsch von Philipp Freimann) mitgebracht, was wir beides sehr vermisst haben. Zur Feier dieses Anlasses haben wir gleich ein kleines Hausfest veranstaltet und unsere Nachbarn in die hohe Kunst des Fondue-Essens (und Schnaps-Trinkens) eingeweiht, was sehr lustig war.
Jetzt sind wir wieder in Sydney und packen gerade unsere Sachen. Morgen geht’s zu Dritt (mit Fränzi) für zwei Wochen nach Neuseeland. Anschliessend gibt es sicherlich wieder jede Menge Abenteuer zu berichten.
Wir wünschen euch eine gute Zeit, frohe Weihnachtsvorbereitung und wir freuen uns, von euch zu lesen oder zu hören. Ihr könnt uns eine Email schreiben, ein Kommentar zu diesem Blog hinterlassen (vgl. unten) oder uns per Post kontaktieren. Der Weihnachtsmann fliegt übrigens auch bis nach Australien ;-)
Bis bald,
Viele liebe Grüsse
Jacqueline & Sämi