Sorry. Wieder einmal fangen wir unseren Blog mit einer Entschuldigung für die lange Funkstille an. Aus akuter Schreibfaulheit hat es dieses mal wieder etwas länger gedauert.
Wo waren wir das letzte Mal stehen geblieben? Ach ja, bei unseren Semesterferien, kurz vor unserer zweiten Reise nach Neuseeland.
Die Fotos von unserer zweiten Reise nach Neuseeland findet ihr hier.
Anfangs Februar sind wir spontan für drei Wochen auf die Südinsel von Neuseeland gereist. Bei unserer letzten Reise auf die Nordinsel hatten wir Gefallen an Neuseeland gefunden und wollten unbedingt die Gelegenheit der geografischen Nähe nutzen, die Südinsel zu besuchen. Da die Südinsel sehr gross ist und kaum bevölkert, haben wir dieses mal auf ein Camper-Büssli als Unterkunft gesetzt. Die grossen Wohnmobile waren uns zu teuer und unsympathisch, so dass wir einen kleinen Mitsubishi Bus mit eingebautem Bett mieteten. Die Überraschung war gross, als wir vor Ort feststellten, dass das Büssli mit Blumen bemalt war und gross „Hippie Camper“ draufstand. Tja, Pech. Wer zwei Tage vor Abflug bucht muss hals nehmen was noch übrig ist. So sind wir dann als Hippies durch Neuseeland gekurvt. Das Büssli war ausgerüstet mit einem Elektro-Kühlschank und einem kleinen Abwaschbecken. Zudem konnte man die hintere Sitzbank in ein Doppelbett umbauen. Man hatte zwar fast keinen Platz, dafür waren wir unabhängig und konnten Schlafen wo wir wollten.
Die Südinsel von Neuseeland ist extrem „bergig“; zumindest im Vergleich zu Australien. Der höchste Berg, der Mt Cook, ist über 3’700m.ü.M. In dieser Region haben wir eine 8 stündige Wanderung zur Mueller Hut unternommen. Von dort hatten wir eine super Aussicht auf die Gletscher des Mt Cooks, welche regelmässig unter lautem Getöse abbrachen. Die Wanderung war sehr steil. Entsprechend konnten wir (vor allem Sämi) vor lauter Muskelkater die nächsten Tage kaum noch gehen. Zur Linderung der Schmach hat sich Sämi eingeredet, dass es ohne Muskeln auch kein Muskelkater gebe und somit alles noch beim Guten sei…
Wenn man nicht mehr Laufen kann, kann man aber immerhin noch Mountainbiken; zumindest den Berg hinunter. Dank einem vorübergehenden Anfall von Wohlstand gönnten wir uns ein Heli-Bike Ausflug. Ja, ihr habt richtig gelesen. In Neuseeland macht man nicht bloss Heli-Skiing sondern auch Heli-Biking. Dabei montiert der Guide die Downhill Mountainbikes am Helikopter und man fliegt auf einen völlig abgelegenen Berg. In unserem Fall sind wir auf einen Berg geflogen, welcher vor ca. 20 Jahre das letzte Mal für die Schafzucht genutzt wurde. Der ehemalige Feldweg vom Berg runter ist inzwischen zu einem anspruchsvollen Single-Track zerfallen. Ein unvergesslicher AusFLUG!
Unser Guide war nebst Mountainbike-Guide auch ein Guide für „Herr der Ringe“-Führungen. Dieser Film, eine Neuseeländische Produktion, wurde ausschliesslich in Neuseeland gefilmt und an vielen Drehorten kann man heute eine Führung machen, da viele Einheimische für den Film gearbeitet hatten. Uns hat das zwar nicht sonderlich interessiert, doch immerhin liessen wir uns von der „Herr der Ringe“-Euphorie zu einem Foto mit Gork-Masken (die Bösewichte des Films) hinreissen.
Weiter ging es der Küste entlang Richtung Süden zu den Fjords. Dies ist angeblich die regenreichste Gegend der Welt. An gewissen Orten regnet es zusammengefasst 11 Meter pro Jahr (in der Schweiz regnet es angeblich durchschnittlich 1.9 Meter pro Jahr). Und tatsächlich regnete es als wir dort waren. Die Schifffahrt auf dem Milford Sound war trotzdem sehr eindrücklich. Hier ragen weit über 1’000 Meter hohe Berge direkt aus dem Meer und Wasserfälle ergiessen sich die Felswände runter.
Unseren nächsten grossen Halt machten wir in Queenstown, der selbsternannten Abenteuer-Hauptstadt Neuseelands. Da uns die gängigen Abenteuer (Bundgee Jumping, mit dem Motorboot sinnlos eine Schlucht runterbrettern, Fallschirmspringen, etc) zu teuer und riskant waren, haben wir uns zwei Mountainbikes geliehen und das Hinterland erkundet. Das war zwar nicht ganz so abenteuerlich, dafür hatten wir unseren Frieden und abends einen gesunden Appetit.
Dem Uhrzeiger nach sind wir anschliessend an die Westküste Neuseelands weitergereist und haben den Franz Joseph Gletscher erkundet. Im Gegensatz zu den Schweizer Gletschern ist dies ein „nasser“ Gletscher. Da die Gletscherzunge bis auf 300 m.ü.M. hinunter kommt schmilzt das Eis rasch, wird aber von Oben immer wieder mit neuem Eis versorgt. So bewegt sich das Eis mit ca. 1.5 Meter pro Tag talwärts. Mit einer geführten Gruppe sind wir einen Tag lang auf dem Gletscher rumgekraxelt, in die Gletscherspalten hinein und durch Eislöcher hindurch. Das Eis war an manchen Stellen wunderschön blau gefroren.
Unseren letzten grösseren Stopp machten wir im Norden der Insel. Dort mieteten wir ein Meer-Kayak und umfuhren die Inseln des Abel Tasman Nationalparks. Bei einer Seehundkolonie führte ein junger Seehund für uns ein eindrückliches Wasserballet auf. Wir paddelten auch über riesengrosse Rochen, welche zum Glück hatten die mehr Respekt vor uns als wir vor ihnen.
Kurz vor unserem Rückflug ab Christchurch unternahmen wir noch einen ziemlich welligen Fischerausflug, was Sämis Magen nicht so gepasst hatte. Trotzdem (oder vielleicht gerade wegen dem zusätzlichen Köder) haben wir unglaublich viele Fische gefangen. Zudem durften wir noch zwei Lobster aus den Reussen des Fischers mitnehmen. Die Lobster gab es anschliessend gleich zum Mittagessen und für die abschliessenden zwei Tage assen wir nur noch Fisch.
Hier noch ein paar „habt ihr gewusst“ Erkenntnisse unserer Reise:
· dass die Neuseeländer ihren Spitznamen „Kiwis“ nicht von der Frucht „Kiwi“ sondern vom gleichnamigen Vogel haben?
· dass es keine Beleidigung ist, einen Neuseeländer Kiwi zu nennen?
· dass die Kiwis (die Früchte) im Supermarkt in Neuseeland aus Italien kommen?
· dass ein Kilo Kirschen im Supermarkt in Neuseeland Fr. 18.- kostet?
Kaum zurück in Sydney kamen uns unsere Freunde Michel und Nicolas Foong besuchen. Wir hatten uns schon lange auf deren Besuch gefreut und entsprechend gross war die Wiedersehensfeier. Nebst viel gutem Essen verbrachten wir die nächsten Tage vor allem damit, das Nachtleben in Sydney zu erkunden. Dazu gehörte auch ein Ausflug an den Mardi-Gras Umzug, der Höhepunkt der jährlichen Schwulen und Lesben Feierlichkeiten in Sydney. Jacqueline, welche offenbar die Fasnacht vermisste, hatte sich extra dem Anlass entsprechend gekleidet. Aber am besten lassen wir die Fotos sprechen. Ausserdem machten wir einen Abstecher zum Sydney Fishmarket, wo wir uns mit köstlichem Sea-Food eindeckten. Zum Nachtessen gab es dann selbstgekochten Krebs, Garnelen, Crevetten und Fisch.
Weitere Fotos von März und April in Sydney findet ihr hier.
Inzwischen hatte auch wieder unser zweites uns letztes Semester an der Universität von Sydney angefangen. Der Wiedereinstieg nach drei Monaten Ferien war nicht ganz einfach. Zumindest trafen wir unsere Freunde wieder, was den Start erleichterte. Und wir haben auch neue Freunde gefunden, zum Beispiel Leonor und Pedro aus Lissabon. Mit ihnen haben wir bereits einen Ausflug in den Nationalpark im Süden von Sydney unternommen. Ausserdem ist Angela, eine Studienfreundin von Jacqueline aus Genf für ihr Zusatzstudium nach Syndey gekommen.
A propos Uni, seit dem letzten Blog haben wir auch noch unsere Resultate vom letzten Semester erhalten. Wir haben beide ziemlich brilliert. Jacqueline ist knapp dem Nobelpreis entgangen. Dozenten an der Uni haben sie sogar angefragt, ob sie ihre Arbeiten als Muster für zukünftige Klassen verwenden dürften!
Kurz nach der Abreise von Michel und Nicolas ist uns Lena besuchen kommen. Lena hat mit Sämi Jus studiert. Im Auftrag des Bundes war sie unterwegs zu einer Konferenz in Neuseeland und konnte auf dem Hinweg zwei Tage Zwischenhalt in Sydney einlegen. Als sie dann eine Woche später nach Zürich zurückfliegen wollte, verlängerte sich ihr Zwischenhalt in Sydney ungewollt, da sie wegen der Aschewolke des Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen nicht mehr nach Europa zurückfliegen konnte. Wir haben ihr natürlich gerne eine Woche Asyl gewährt. Während dem Tag musste sie (und wir) arbeiten doch am Abend liessen wir es uns gastronomisch gut gehen.
Ein Tag nach dem Abflug von Lena riss Jacqueline Sämi früh Morgens aus dem Bett. „Überraschungstag!“ Mit dem Auto ging es dann um den Block und als wir wieder vor unserem Haus ankamen, standen dort Sämis Bruder Dave und dessen Frau Karin. Was für ein toller Überraschungsbesuch!! Wir feierten ihre Ankunft gleich mit einem spontanen BBQ am Strand. Die nächsten Tage verbrachten wir mit Sightseeing in Sydney und Region. Inzwischen sind sie nach Melbourne und Brisbane weitergereist, kommen doch Morgen Abend wieder für eine Woche nach Sydney. Wir planen einen gemeinsamen Ausflug an die Nordküste von Sydney sowie ins Hunter Valley eine nahegelegene Weinregion.
Wenn wir nicht gerade Besuch hatten, so verbrachten wir die letzten Wochenenden vor allem mit Freunden von der Uni. Wir sind fast so multi-kulti wie die UNO. Letztes Wochenende waren wir an einem Libanesischen BBQ mit Norwegischer, Englischer, Portugiesischer, Iranischer und Schweizerischer Beteiligung. Gestern stand dann ein Iranisches BBQ auf dem Programm. Und heute ein Schweizer Fondue. Dank den vielen Schweizer Besuchern sind wir nun auch wieder kulinarisch bestens Versorgt. Wir treffen ein befreundetes Schweizer Paar, welches ein Fondue Gaglon hat…. und wir haben den Käse! Ausserdem führen wir einen Freund aus Hong Kong in die Fondue Gepflogenheiten ein. Das wird ein wunderbarer Abend.
Dank den noblen Käse-Spenden konnten wir kürzlich sogar ein Raclette machen. Zwar fehlte uns der Raclette-Ofen, doch Not macht erfinderisch. Und so installierten wir uns mit Campingtisch und –stühlen in der Küche vor dem Gas-Grill und verputzen zu Zweit gleich ein halbes Kilo Käse.
Inzwischen kriegen wir hier schon langsam Torschluss-Panik. In zwei Monaten ist unsere Uni fertig und unser Mietvertrag läuft aus. Da Sämi aber erst Anfangs Oktober wieder zu Arbeiten beginnt, planen wir noch eine verlängerte Heimreise. Zu Erst möchten wir das Great Barrier Reef und den Norden Australiens erkunden. Anschliessend planen wir einen Abstecher nach Perth an der Westküste von Australien. Dann geht’s Richtung Asien. Unsere Pläne sind noch nicht konkret, aber wir würden gerne ein paar Pazifik-Inseln, Malaysia, Kambodscha und die Weltausstellung in Shanghai besuchen. Mal schauen, wie weit die Zeit und das Geld reicht. Gleichzeitig freuen wir uns aber auch auf die Rückkehr, denn wir realisieren, was wir alles verpassen. Zu Hause wird gezügelt, gekränkelt, geheilt, geheiratet, gezeugt, geboren und gestorben und wir sind am anderen Ende der Welt. Das ist nicht immer ganz einfach. Fazit, wir geniessen noch unsere letzten Monate, freuen uns aber auch wieder auf die Schweiz.
Zum Abschluss gibts noch eine Sammlung von Panoramas, welche wir in den letzten Monaten erstellt haben. Am besten klickt ihr auf der Foto-Webseite auf "Diashow".
Viele liebe Grüsse aus der Sonne
Jacqueline & Sämi