Montag, 16. August 2010

Java

Selamat datang,

Nach einer Woche im hinduistischen Bali sind wir zusammen mit unserem Guide, Agung Surya, mit der Autofaehre ins islamische Java gereist. Doch bevor wir mehr ueber Java schreiben wollen wir mal ein paar Worte zum (Touristen-)Leben hier in Indonesien verlieren:

Die Fotos zu Java findet ihr HIER.

Die Indonesier sind unglaublich Geschaeftstuechtig, so dass einem immer und ueberall jeder Wunsch erfuellt wird, vorausgesetzt man hat das noetige Kleingeld. Auf dem abgelegensten Bergipfel findet man ein Verkaufer fuer Ersatzbatterien fuer den Fotoapparat oder so bald es regnet will jeder einem ein Regenschirm verkaufen. Das Ganze hat natuerlich auch seine laestige Seite, denn als Tourist wird einem etwas im Minutentakt offeriert. Mit der Zeit wird man aber imun dagegen.

Das Essen in Indonesien ist ausgezeichnet aber nicht sehr abwechslungsreich. Meist gibt es Reis (nasi goreng) etwas Fleisch und scharfe Chilisauce (Sambal). Zum Fruehstueck beginnt der Tag, wie der Letzte aufgehoert hatte, mit Nasi Goreng... Brot haben wir in zwei Wochen nur einmal gehabt. Zum Glueck gibt es auch Mie Goreng, was Nasi Goreng mit Nudeln ist. Dazu gibt es fast immer ein Spiegelei. Nebst Reis gibt es meist Ananas, Papaya und Melonen. Ausserdem kann man am Strassenrand leckere Kokosnuesse kaufen, welche anders als bei uns noch die komplette Kokosnuss umfassen (also nicht bloss die braune Nuss sondern auch die dicke gruene Schale drumherum) und viel besser schmecken als bei uns. Unser Fahrer hat uns ausserdem zahlreiche andere Fruechte zum essen gegeben, welche (meist) ausgezeichnet geschmeckt haben.

Das Essen kann man hier an kleinen Staenden auf der Strasse oder neben der Strasse und natuerlich in Restaurants. Wir haben uns bisher bis auf das Niveau 'neben der Strasse' runtergearbeitet und werden wohl nicht mehr tiefer gehen... Die Hygiene ist nicht die Beste, weshalb wir jeden Abend vor dem Schlafengehen einen zuenftigen Schluck Schnaps zur Desinfektion zu uns nehmen. Bisher hat's genuetzt und wir haben noch keine Probleme gehabt.

Erwaehnenswert ist auch das lokale Preisniveau. Nach dem teuren Jahr in Sydney, dem gelinde gesagt nicht ganz billigen Abstecher nach Vanuatu und der kostpieligen Reise durch Australien ist Indonesien Balsam fuer unser Budget. Das guenstigste Mittagessen war bisher Fr. 2.- (2*Satay Spiessli und Getraenke), die guenstigste Uebernachtung Fr. 24.-. Aber man muss hier staendig aufpassen, dass man nicht ueber den Tisch gezogen wird und stets den Preis runtermaerten. Inzwischen koennen wir dies ziemlich gut :-)

Noch ein paar Worte zu den Unterkuenften, insbesondere zu den Badezimmern. Grundsaetzlich gibt es hier nur Steh-Plumpsklos. Anstelle einer Spuehlung hat es ein Wasserbecken mit einem Eimer. Damit schoepft man dann genuegend Wasser ins Klo um den Spuehleffekt auszuloesen. In den Hotels hat meist 'westliche' Toiletten, ab und zu aber trotzdem ohne Spuehlung. Dadurch sind die Toiletten meist eine ziemlich nasse Angelegenheit und man geht am Besten mit den Schlarpen aufs Klo. Die Sache wird noch verkompliziert, da man nicht ueberall das WC-Papier ins Klo werfen darf (wegen der Kapazitaet der Abwasserleitung). An einigen Orten muss man dies im Abfallkuebel entsorgen...

Schliesslich ist sollte der Verkehr noch Erwaehnung finden. Es scheint als ob hier jeder und jede ein Motorroller hat. Wer keinen hat, der oder die sitzt einfach bei einer anderen Person auf den Motorroller. Manchmal sieht man ganze Familien auf einem Motorroller. Frauen mit Roecken sitzen jeweils seitwaerts auf diesen Geschossen und fallen wie durch ein Wunder trotzdem nicht runter. Nebst den Rollern verstopfen Taxis und Minibusse die Strassen, so dass der Verkehr kaum vorwaerts kommt. Einmal sind wir mit einem Minibus 500km durch Java gefahren, notabene auf Javas Hauptverkehrsstrasse, was notabene 10 Stunden gedauert hat. Unser Fahrer war non-stop am ueberholen, egal ob gerade Gegenverkehr kam, so dass wir am Abend froh waren noch am Leben zu sein. Aber das faszinierende ist, dass der Verkehr trotz Chaos doch funktioniert. Hier beharrt keiner auf seiner Position sondern weicht aus, so dass beispielsweise der Entgegenkommende trotzdem ueberholen kann.

Im Gegensatz zu Bali (wo die Leute hauptsaechlich Hindus sind) sind hier auf Java (und im Rest von Indonesien) die meisten Leute Muslime. Indonesien ist sogar das Land mit den meisten Muslimen auf der Welt (Indonesien hat immerhin rund 250Mio Einwohner). Fuer uns ist dies die erste Reise in ein inslamisches Land und gewisse Sachen sind denn auch gewoehnungsbeduerftig. So muess man sich beispielsweise daran gewoehnen, dass man morgens um 5 Uhr vom Morgengebet geweckt wird. Dies wiederholt sich dann noch ungefaehr 4 mal am selben Tag. Da jetzt gerade Ramadan ist (waehrenddem Muslime tagsueber weder Essen noch Trinken), sind ausserdem die meisten Restaurants und Essensstaende waehrend dem Tag verdeckt. Man kriegt zwar etwas zu Essen ist aber hinter einem Tuch versteckt. Immerhin darf man hier auf der Strasse etwas Trinken und Jacqueline muss kein Kopftuch tragen.

Obschon die meisten Indonesier moderate Muslime sind nehmen sie es mit dem Ramadan trotzdem ziemlich ernst. Unser Minibus-Fahrer hat uns bei 36 Grad beispielsweise 10h quer durch Java chauffiert ohne zu trinken und zu essen. Waehrend den Tankstops und waehrend unserer Mittagspause hat er gebetet. Hier ist Saemi noch ein fast fataler Irrtum unterlaufen. Auf der ersten Tankstelle musste Saemi einen Piss-Stop einlegen. Im Toilettenbereich konnte man geradeaus aufs WC oder links zur Pissoir-Rinne, oder das war zumindest was Saemi gedacht hatte. Als er bereits 'ausgepackt' auf dem sog. Pissoir stand schaute er sich um und bemerkte, dass das Pissoir in Tat und Wahrheit das Fusswaschbecken fuer die Tankstellen-Moschee war. Zuem Glueck hat er dies rechtzeitig und unerkannt! bemerkt und konnte sich in die WC Kabine verkriechen. Nachher hatten wir festgestellt, dass in auf fast jeder Tankstelle einen Gebetsraum gibt (dafuer kein Tankstellenshop) und da dort sowieso nur Maenner reinduerfen ist er beim gleichen Eingang wie das MaennerWC... Tja, andere Laender, andere Sitten.

Also, nun zu unseren Abenteuern auf Java:

Java (und Indonesien generell) ist beruehmt und beruechtigt fuer seine Vulkane. Unser erster Stop hat in ein kleines Dorf am Fusse des Ijen Vulkans gebracht. Hier kann man im Gaestehaus einer Kaffeeplantage uebernachten. Da diese aber ausgebucht war, konnten wir das Haus des Vizedirektors mieten, was den Vorteil hatte, dass wir auch seine private Thermalquelle nutzen konnten. Am naechsten Morgen ging es vor Sonnenaufgang zu Fuss auf den Ijen Vulkan. Im Krater des Ijen Vulkans befindet sich ein Schwefelsee sowie eine stinkend und dampfende Sulphatablagerung. Die Einheimischen klettern zu dieser Sulphatablegerung runter und Hauen grosse Brocken dieses gelben Gesteins aus dem Boden. Anschliessend tragen sie in Bambuskoerben rund 85kg davon den Krater hoch und den Vulkan runter zur Sammelstation am Fusse des Vulkans (ca. 2 Stunden Wanderung). Diese unglaubliche Koerperleistung ist um so erstaunlicher wenn man bedenkt, dass die Einheimischen bloss etwa 1.55 gross sind und kaum mehr als 50kg wiegen. Wir sind ebenfalls in den Krater runtergeklettert und haben (mit Atemschutz) zugeschaut, wie die Einheimischen in dieser Dampfhoelle arbeiten. Einfach unglaublich.

Unseren naechsten Stop legten wir auf dem Kraterrand des Mount Bromo, ein weiterer Vulkan, ein. Der Bromo Vulkan besteht aus einem aeusseren Krater und einem inneren Krater. Dazwischen gibt es eine staubige Ebene. Der Vulkan im inneren Krater ist immer noch aktiv, wenn auch bloss mit stinkigem Dampf. Wir standen um 3 Uhr auf und fuhren durch den auesseren Krater auf einen Aussichtspunkt wo wir den Sonnenaufgang bestaunten. Anschliessend fuhren wir wieder in den ausseren Krater und kletterten auf den Rand des inneren Kraters von wo aus wir in den dampfenden Krater reinblicken konnten.

Nach drei Tagen auf brodelnden Vulkanen wollten wir unser Vulkan-Glueck nicht mehr weiter strapazieren und fuhren quer durch Java in die Kulturhauptstadt Javas nach Yogjakarta. Hier besichtigten wir zwei rund 1200 Jahre alten Tempelanlagen. Der Borobodur Tempel gleicht einer Pyramide und ist ein Budistischer Tempel. Der Pangeran Tempel gleicht eher einer Ansammlung von Zuckerstoecken und ist ein Hindu Tempel. Wegen seiner Bauart ist der Pangeran Tempel natuerlich viel anfaelliger fuer Erdbeben, was es in Indonesien haeuffig gibt. Einige Begaeude sind bereits wieder restauriert, doch bleiben noch hunderte von Tempelbauten aufzubauen was einem gigantischen dreidimensionalen Puzzle gleichkommt.

Nach Yogjakarta sind wir mit dem Zug via Jakarta nach Bogor weitergereist. Nach den zahlreichen 'Nahtoderlebnissen' waehrend der Busfahrt zahlten wir lieber Fr. 2 mehr fuer das Zugbillet (notabene Exekutiv Klasse, was hoeher ist als 1. Klasse). Der Zug war sehr angenehm, wenn auch weit entfernt von einem schweizerischen 1. Klasse Wagen. So waren Beispielsweise gewisse Scheiben zerbrochen und der on-board Fernseher spielte alle 5 Minuten dieselbe Werbesendung (und wir sassen direkt vor dem Bildschirm).

Jetzt sind wir in Bogor, der Regenhauptstadt in Java; und es regnet. Waehrend dem Tag war es schoen und wir konnten trockenen Hauptes den Botanischen Garten bewundern. Leider ist gerade Winter hier, so dass nicht alle Pflanzen bluehen. So haette es beispielsweise eine Pflanze gehabt, deren Bluete 2.4 Meter hoch und 200kg schwer gewesen waere.

Morgen fahren wir nach Cianjur, wo wir bei einer lokalen Familie wohnen werden. Am 19 August geht es dann bereits weiter nach Kambotscha via Malaysia. Somit werden wir uns das naechste mal aus Kambotscha melden.

In diesem Sinne, alles Gute und bis bald

Liebe Gruesse

Samuel + Jacqueline

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